Zeichen

•11. Dezember 2009 • Kommentar schreiben

Die Menschen machen sich keine Gedanken darüber, was für ein Wunder es ist, Gedanken in Zeichen fassen zu können.

Chinesische Pilze

•6. Dezember 2009 • Kommentar schreiben

Die Serpentine frisst sich stetig ins chinesische Gestein. Eine Gruppe Touristen, die hoch auf einen Berg will, wandert einmal rechts, einmal links dem Gipfel entgegen. Es gibt keinen abgetrennten Gehweg, so kommen Autos und Fahrräder den Touristen beunruhigend nahe. Da entdecke ich mich in der Gruppe! Wir hätten auch ein Auto nehmen sollen, anstatt zu wandern. Nach einer der ständigen Kurven tauchen ein paar Häuser auf. Kein Dorf, nein nein, ein paar aus groben Stein zusammengeschusterte Häuser. Die Straße wird breiter, fast schon ein kleiner Platz und an der Bergseite stehen die Häuser. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ist so was wie eine Aussichtsplattform. Das ganze musste ein Rastplatz sein, sicherlich. Also beginn ich gleich damit, mit dem rasten. Ich will rüber zur Aussichtsplattform gehen. Ein wenig die Landschaft genießen. Sorgsam auf den Verkehr achtend nähere ich mich dem Rand dieser Plattform. Seltsamerweise beginnen alle Chinesen sich zu entfernen. Entweder musste ich fürchterlich stinken nach dem ganzen Berg-hoch-wandern oder es lebt ein sehr schüchternes Völkchen hier. weiterlesen ‘Chinesische Pilze’

Blaues Gefieder

•21. November 2009 • Kommentar schreiben

Blaues Gefieder. Ein herrliches, tiefblau strahlendes Gefieder. Wie das letzte Blau des Tages, bevor es in die Dunkelheit der Nacht eingeht. Feine, klare Linien ziehen und winden sich auf der Oberfläche. Der Schädel eines kränklichen Vogels schaut mich an. Kein Blick eines Tieres. Diese Augen so tief. Sie scheinen so viel zu wissen, so viel mehr… Er beginnt zu reden, aber ich höre nicht. Er redet wie ein Mensch zu mir… Etwas reißt mich, meinen Blick, trocken weg. Menschen. Einige, vielleicht ein Dutzend. Ich stehe, aber alles vibriert leicht. Um etwas Kaltes, Metallisches hat sich meine rechte Hand gewunden. Verwirrt schaue ich mich um. Es scheint so was wie ein Bus zu sein. Am Fenster zieht eine belanglose Landschaft vorbei. Wo war der Vogel? Ich überschaue kurz den Innenraum, aber keine Spur. Wieso bin ich hierhergekommen? Eine blecherne Stimme sagt Haltestellen an. Ich verstehe kein Wort, trotzdem beschließe ich auszusteigen. Egal wo. Der Bus hält, die Tür öffnet sich. Zu meinem Erstaunen sehe ich diesen blauen Vogel knapp zwei Meter vor mir auf einem kleinen Rasenstück sitzen. Zu meinem noch größeren Erstaunen sackt mein Fuß in den Boden ein, als ich aussteige. Mein Körper folgt ihm und wir, Fuß und Körper, versinken in dem scheinbar soliden Asphalt. Es gibt nicht den geringsten Widerstand. Wir fallen aber die Luft scheint mit uns zu fallen. Es gibt nicht den geringsten Hauch. Die Dunkelheit die dann folgt kommt wie ein Schlag. Wir verlieren jegliches Gefühl für Ort und Bewegung. Alles ist plötzlich still, in Ruhe. Als ich den sternenübersäten Himmel wiedersehe, merke ich, dass ich alleine bin. Mein Fuß hat es nicht geschafft.

Eierwahn

•12. November 2009 • Kommentar schreiben

Autos, ja selbst Sportautos, die mit Eiern fahren. Eine ganze Industrie, alle Industrien durch das Ei angetrieben. Hinten kommt noch lecker Rührei heraus. Wir haben es erfunden, doch nun müssen wir uns verstecken. Man sucht nach uns. Zu gefährlich.

Kunst

•10. November 2009 • Kommentar schreiben

Die Kunst sollte nicht noch mehr Putz an der Welt anbringen, sondern diesen ganzen Putz von ihr abreißen.

Vergangene Tage

•7. November 2009 • Kommentar schreiben

Vergangene Tage sind wie die Nadeln eines Baumes. Auch im Winter fallen sie nicht von einem ab. Erst der stürzende Stamm lässt sie verschwinden.

Substanz

•5. November 2009 • Kommentar schreiben

Auf einem Flachdach hoch über der Stadt. Ein Neubau, fast fertig. Sitze und schaue abwechselnd die vielen Stockwerke hinunter und in die Lichter der Stadt. Eine kleine Stadt.

Das Auge sieht es nicht. Die Substanz verschwindet. Alles wird porös, brüchig. Ich beginne zu rutschen. Was ich fasse bricht und zerfällt. Falle fast. Krache in den Innenraum. Wände brechen weg, die Böden knirschen, öffnen sich an vielen Stellen, die Decken werden zu Staub. Zerre mich in diesem Chaos wieder empor. Finde einen festen Fleck. Bin wieder im Offenen. Immer mehr stürzt hinter mir zusammen. Vor mir ein anderes Gebäude. Ob es noch Substanz hat, kann ich nicht sagen. Was bleibt mir. Ich springe über den Abgrund. Lande sicher…

auf einer Ausfallstraße. Hinter jedem Gewerbegebiet. Es ist nass, kalt, dunkel, meine Schuhe sind verschwunden. Ich mache mich mit durchtränkten Socken auf. Immer hin zu den Lichtern der Stadt.

Der alte Hund

•30. Oktober 2009 • Kommentar schreiben

Der alte Hund trippelte bittend mit seinen Vorderpfoten. Zwischen den langen, hängenden Lefzen ein Ball. Ich soll ihn werfen, doch ich will nicht. Mein Raumschiff „aus der guten alten Zeit“ wartet auf mich. Vorher noch fix in einen Billigsupermarkt – Raumschiffe sind teuer, da bleibt nicht viel übrig – Proviant für die Reise holen.

Der alte Hund klopft fordernd mit seinen Vorderpfoten. „Geh weg!“ „Geh weg!!“ Immer wieder, immer lauter spreche ich. Doch er bleibt, spricht zu mir, ich sei ihm dies schuldig. „Ich kenn dich nicht! Geh weg!“ Ich haste in mein Raumschiff „aus der guten alten Zeit“. Schlage die Tür hinter mir zu. Lasse den alten Hund mit den hängenden Lefzen draußen. Dann eben ohne Proviant fliegen.

Fremde Welten

•28. Oktober 2009 • Kommentar schreiben

Soll ich mich in die Realitäten der anderen begeben? Was soll ich in deren fremden Welten? Habe ich doch meine eigene und sie ist mir ebenso fremd.

Biest und Skorpion

•12. Oktober 2009 • Kommentar schreiben

Das Biest kämpft gegen den Skorpion. Unter gläserner Kuppel. Der Stachel will nicht treffen. So zerreißt mit dem Maul das Biest den Skorpion. Frisst ihn. Doch da! Der Bauch des Biestes wölbt sich. Birst. Zu giftig. Selbst für es. Ende des Spektakels.