NaziZwerg
Wir hatten uns verlaufen, das Pärchen und ich. Wie wir zusammen gekommen waren, wusste ich nicht mehr. Wo wir hin wollten wusste ich auch nicht mehr. Nur dass wir da wo wir waren nicht sein wollten, wusste ich.
Eigentlich ein gar nicht so übles Haus, in welches wir geraten waren. Es stand an einem Hang. Dieser war gefaltet wie die Reisfelder in weit weg in Asien. Terrassen-Kaskaden; und vor und hopp und vor und hopp.
Das Haus selbst war genauso gebaut, was ihm eine sehr interessante Architektur verlieh. Hinzu kamen die mehreren Stockwerke und das sehr offen gehaltene Innere. Wie wenn man verschiedene Ebenen in unterschiedlichen Höhen zusammensteckt.
Wie gesagt ein nettes Haus und wir mittendrin auf der Suche nach einem Ort. Irgendwer musste hier doch wohnen, der uns weiter helfen konnte. Aber wir fanden niemanden. Diese verwinkelte Bauweise machte es uns auch nicht einfach.
So legten wir uns nach einer Weile in ein großes Bett. Davor ein helles Panoramafenster mit herrlichem Ausblick auf andere Terrassenhügel. Wenn hier schon niemand ist, dann könnten wir uns wenigstens ein wenig ausruhen.
Nun ja, als ich wieder aufwachte, spürte ich einen unangenehmen Druck auf der Brust. Ich fühlte mich irgendwie ins Bett gepresst. Meine Augen brauchten einen Moment sich scharf zu stellen. Stand da jemand auf mir? Einen weiteren Moment später. Ja, da stand eine kleine Gestalt auf meiner Brust.
Ich war total verwirrt. Wer oder was war das? Ich drehte meinen Kopf und sah die Frau des Pärchens neben mir schlafen. Jetzt schaute ich mir diese Gestalt näher an. Erstens viel natürlich ihr kleiner Wuchs auf. Nicht größer als ein 6-jähriges Kind. Der Körper war aber bullig und muskulös. Gar nicht wie bei einem Kind.
Dann viel mir auf, dass dieser Zwerg ja gar keine Arme hatte. Man rechnet immer mit Armen, aber da waren eindeutig keine. Die Schultern hörten einfach in Muskelpaketen auf. Ob da jemals Arme gewesen waren oder nicht, konnte ich nicht erkennen.
Was es aber zu Hauf an den Schultern gab war Tattoos von Hakenkreuzen. Ich verschiedenen Größen und mal ausgeschmückt, mal nicht. Auch an vielen anderen Stellen Hakenkreuze tätowiert waren. Wer war das?
Ich schaute diesem NaziZwerg direkt ins Gesicht, aber konnte wenig erkennen. Der runde, kahle Schädel war dermaßen zugewuchert von Muskelmasse, dass die Eigenheiten des Gesichts darin untergingen. Es war eigentlich nur eine helle Fleischfassade mit Andeutungen von Löchern wo Augen und Mund sein könnten.
Ein kleiner Feldmarschall auf seinem Hügel, so stand der Zwerg auf mir. Ich bekam mich langsam gefasst und beschloss das Pärchen zu wecken, um dem ganzen hier ein Ende zu bereiten.



