Eiskolonie

Da wollten wir also eine große Tour machen. Mit einem Segelboot über die Meere. Und weil wir nicht einfach nur so rumschippern wollten, setzen wir uns zum Ziel nur ehemalige deutsche Kolonien anzufahren. Eine extra Herausforderung.

Auf einer großen Karte fanden wir zu unserem Erstaunen eine Kolonie in der Nähe der Antarktis. Eine kleine Insel kurz vor dem ewigen Eis. Niemand kannte diesen Ort. Vermutlich sah man ihn nur auf besonders großen Karten, die besonders kleine Insel zeigen konnten.

Da wollten wir hin. So fuhren wir los. Die Reise selber verging schnell und ereignislos. Als es dann kälter wurde, begannen wir uns nach dieser vergessenen Insel umzuschauen. Nichts. Sie musste wirklich klein sein.

Es wurde kälter und kälter…und bald zu kalt. Das Packeis erwischte uns. Da standen wir. Das Boot ächzte unter dem Druck. Wie jetzt weiter? Wir verbrachten mehrere Tage gefangen und frierend. Schauten auf den Horizont. Weiß und unbeweglich.

Eines Morgens sahen wir dann ein Haus direkt vor uns. So ein Holzhaus, wie man es bei Überschwemmungen im Fernsehen in Flüssen vorbeischwimmen sieht. Genauso leicht schief hang es im Eis. Als wäre die Flut plötzlich erstarrt.

Wie kam es hier her? Bewegte es sich? Bewegten wir uns? Wir musterten vom Schiff aus das Haus und waren uns schnell im Klaren, dass es stabiler wäre als unser Segler. Obwohl aus Stahl, trauten wir den Holzbrettern des Hauses mehr.

Es war zweistöckig und einfach rechteckig geschnitten. Zirka 50 Meter vor uns. Die Fenster hatten Gardinen und es war kein Schnee oder Eis zu sehen. Ein warmes Sommerhaus mitten im Eismeer. Es hatte auch eine kleine Veranda mit einer Tür. Das machte uns Sorgen: Wie sollten wir durch diese Tür kommen?

Was blieb uns in dieser ernsten Lage übrig. Wir versuchten es mit Gewalt. Als der Wind richtig stand, hissten wir alle Segel. Wir wollten die Tür mit unserem Bug rammen, um uns so Zutritt zu verschaffen. Alles knackte und ächzte um uns herum. Doch wir begannen uns tatsächlich auf das Haus zuzubewegen. Wir nahmen immer mehr Fahrt auf. Das Eis schien vergessen. Wir bereiteten uns auf die Kollision vor. Es krachte. Ich flog Richtung Haus.

Als ich wieder aufwachte, lagen wir alle auf einer Sommerwiese vor dem Haus. Weit und breit kein Eis, kein Meer. Es war warm und hell. Weiter hinten schien es einige Obstbäume zu geben und eine Koppel mit Pferden. Niemand war verletzt. Wir standen auf, schauten uns an und fingen an zu lachen. Eine schöne Kolonie. Nur sehr schwer zu finden.

~ von tlwomega am 7. November 2011.

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